Diese Puppe reagiert sogar auf Schmerz

Neues Simulationszentrum am Krankenhaus - Ernstfall unter realistischen Bedingungen trainieren

Freuen sich über die neuen Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung am „künstlichen Menschen“: (von links) Stv. Pflegedirektor Markus Ellinger, Pflegedirektorin Dr. Stephanie Vogt, Fördervereinsvorsitzender Rupert Starzner, Leitender Intensivmediziner Dr. Thomas Riedel, Landrat und Verwaltungsratsvorsitzender Michael Fahmüller, Ärztlicher Direktor Dr. Klaus Kienle sowie die Klinikvorstände Bernd Hirtreiter und Gerhard Schle-gel.

Eggenfelden. Der Alarm meldet sich am Monitor, der über einem Patientenbett in der Intensivstation angebracht ist, die Pieptöne werden lauter, der Patient hat offensichtlich starke Schmerzen, sein Blutdruck bricht zusammen. Die Sauerstoffsättigung sinkt dramatisch, jetzt muss beatmet werden, Infusionen werden angelegt – Szenen wie diese gibt es derzeit ständig im Klinikum in Eggenfelden. Aber: glücklicherweise ist der Patient nicht echt, und der Ort des dramatischen Geschehens ist auch nicht die „echte“ Intensivstation der Klinik, sondern das neue Simulationszentrum der Rottal-Inn Kliniken. Hier wurde mit großem finanziellem Aufwand ein Trainingszentrum eingerichtet, das zu den modernsten seiner Art in Bayern gehört.

„Wir können hier praktisch jede Situation, die auf einer Intensivstation oder Schockraum passieren kann, simulieren und zwar auf einem Niveau, das eigentlich schon fast der Realität ent- spricht“, betont Vorstand Bernd Hirtreiter bei der Präsentation der neuen Einrichtung, die auf den ersten Blick von einer „echten“ Intensivstation nicht zu unterscheiden ist. Herzstück ist eine lebensecht gestaltete Puppe im Intensivbett, die nicht nur aussieht wie ein Mensch, sondern durch ausgeklügelte Technik auch genauso reagieren kann wie ein echter Patient. Bei der offiziellen Inbetriebnahme des Zentrums waren selbst fachkundige Besucherinnen und Besucher überrascht, welche Möglichkeiten sich daraus für die Aus- und Weiterbildung ergeben.

„Mega Code Puppe ALS“, so der offizielle „Name“ der Simulationspuppe, hat Venen, an denen man einen Zugang suchen kann für Spritzen oder Infusionen, man kann dann auch Medikamente einspritzen, es gibt einen „echten“ Blutdruck, es gibt Reaktionen auf Schmerzen ebenso wie Atembewegungen, die Puppe kann hören und sprechen – das alles in einer Perfektion, bei der Markus Ellinger, stellvertretender Pflegedirektor der Rottal-Inn Kliniken, ins Schwärmen gerät: „Es gibt Untersuchungen, die uns bestätigen, dass beim Training im Simulationszentrum die Menschen, die hier im Übungseinsatz sind, schon nach wenigen Minuten völlig vergessen, dass ihr Patient nicht echt ist - sie reagieren dann wie bei einem realen Patienten, sie versuchen gewissermaßen alles, um ihn zu retten, indem sie alles richtig machen“, macht er deutlich. Und dies sei auch der Vorteil gegenüber theoretischer Ausbildung an den üblichen Puppen, wie sie bereits seit vielen Jahren im Einsatz sind, betont der Leiter der Intensivmedizin, Dr. Thomas Riedel: „Bei uns sollen die Trainingsteilnehmer nicht sagen, was sie vielleicht tun würden, sondern sie müssen in der Realität anwenden, was notwendig ist – besser kann man sich auf einen echten Einsatz nicht vorbereiten“.

Vorstand Bernd Hirtreiter weist noch auf einen anderen wichtigen Faktor hin: „In der Notfallbehandlung muss man sich blind vertrauen und sich aufeinander verlassen können, da geht es sehr viel um Teamwork und Kommunikation, und genau das kann hier bestens trainiert werden – jeder lernt, im Ernstfall das zu tun, was wichtig ist“. Während der Ausführungen Hirtreiters wieder ein Alarm: die Lippen der Puppe färben sich blau, die Anzeige für die Blutsättigung meldet sich lautstark – jetzt kommt es auf Sauerstoff in der richtigen Dosierung an, die Puppe „atmetet durch“ unter der Sauerstoffmaske – wenn das nichts genutzt hätte, dann wäre auch ein Luftröhrenschnitt möglich gewesen, auch der kann an der Puppe durchgeführt werden.

Gesteuert wird „Mega Code Puppe ALS“ von einem Nebenraum aus. Der Instruktor, eine erfahrene Kraft aus der Notfallpflege oder auch ein dafür ausgebildeter Arzt, gestalten den Notfall, der in der „Intensivstation“ für Hochspannung sorgt, sie beobachten durch verspiegelte Scheiben den Ablauf der Maßnahmen, die von Trainingsteilnehmern durchgeführt werden. Das ganze Geschehen wird dabei per Video- und Tonanlage aufgezeichnet. Nach der Übung erfolgt dann eine ausführliche Besprechung, ein sogenanntes „Debriefing“: „Dabei wird im offenen Gespräch evaluiert, wo es Verbesserungen braucht und wo vielleicht Schwachpunkte waren – und das gehen wir dann gemeinsam an“, so Pflegedirektorin Dr. Stephanie Vogt.

Dass sich die Rottal-Inn Kliniken das High-Tech-Simulationszentrum einrichten konnten, liegt an der guten Zusammenarbeit zwischen den Kliniken und dem Förderverein unter Vorsitz von Rupert Starzner. Der Verein hat eine Spende von 36000 Euro beigesteuert, mit der die Simulationspuppe finanziert werden konnte. Die Kliniken haben für ansprechende und passende Räumlichkeiten und für weitere technische Ausstattung gesorgt. „Es war ein hervorragendes Zusammenspiel, dem Förderverein möchte ich ganz herzlich danken für diese Investition in eine noch weitere Steigerung unserer ohnehin schon sehr hohen Qualität“, merkt Bernd Hirtreiter an. Und er erklärt, dass man sich auch in der Verantwortung sehe, die moderne Technik nicht nur den eigenen Häusern zur Verfügung zu stellen: „Dieses Simulationszentrum bietet hervorragende Möglichkeiten in der Ausbildung von Notfall- und Rettungssanitätern, von Pflegepersonal und ärztlichem Personal anderer Krankenhäuser, aber auch für mobile Pflegedienste und andere Einrichtungen. Wir können hier unser Wissen und unsere Erfahrung weitergeben, auch für Interessenten aus anderen Regionen“, so Hirtreiter.

Rupert Starzner als Vorsitzender des Fördervereins freut sich darüber, dass die Förderung durch den Verein in den Kliniken so begeistert aufgenommen wurde, denn: „So ein Training kann im Ernstfall ein Leben retten – besser können wir die gute Arbeit der Rottal-Inn Kliniken gar nicht fördern“.