27.01.2021

"Einer der schönsten Berufe der Welt"

Sie ist die „Neue“ auf einer wichtigen Position in den Rottal-Inn Kliniken: Stephanie Vogt ist Pflegedirektorin der drei Kliniken im Landkreis Rottal-Inn. Damit ist die 52-jährige verantwortlich für den Pflegebereich der Krankenhäuser und somit Vorgesetzte von rund 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gerade in Zeiten der Pandemie ist das eine echte Herausforderung, Zeit für einen Kaffee und ein Gespräch hat sich Stephanie Vogt aber genommen, denn es liegt ihr am Herzen, die Bedeutung der Pflege auch außerhalb der Kliniken bewusst zu machen.

Guten Morgen, Frau Vogt, wie trinken Sie Ihren Kaffee – schwarz oder mit Milch?

Auf jeden Fall mit Milch – aber da lege ich Wert auf Biomilch.

Frau Vogt, Sie sind aus dem Saarland nach Niederbayern gekommen. Was hat Sie an diesem Wechsel gereizt?

Stimmt, ich bin im Saarland geboren und aufgewachsen. Das Saarland mit seinen direkten Grenzen zu Frankreich und Luxembourg ist ein reizvolles, aber leider auch strukturschwaches kleines Bundesland. Der beruflichen und wirtschaftlichen Entwicklung sind Grenzen gesetzt. Insbesondere in den Pflegeberufen sind die Arbeitsbedingungen deutlich schlechter als hier in Bayern. Und ich bin ganz ehrlich: Beim Besuch von Kongressen und Fachtagungen hat mich der strukturelle Unterschied zwischen den Krankenhäusern in Bayern und anderen Bundesländern schon immer beeindruckt, im Vergleich zu einigen anderen Bundesländern sehe ich hier einen stark ausgeprägten Willen zu Innovation und Entwicklung. Diese Tatsache trifft auch auf das Gesundheitswesen in Bayern und die Rottal-Inn Kliniken zu. Und außerdem: der Landkreis Rottal-Inn bietet eine sehr hohe Lebens- und Freizeitqualität, davon konnte ich mich schon überzeugen.

Und haben sich Ihre Erwartungen bislang erfüllt?

Auf jeden Fall. Von meiner Vorgängerin Carola Heikaus habe ich in den ersten Wochen eine sehr gute Einarbeitung erfahren und ich darf in den Rottal-Inn Kliniken ein sehr gut bestelltes Arbeitsfeld fortführen und weiterentwickeln. Die strukturelle und personelle Ausstattung ist sehr gut, die kommenden Zukunftsprojekte einschließlich der wichtigen Meilensteine sind gesetzt. Die Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichen Berufsgruppen haben mich sehr herzlich aufgenommen und unterstützen mich in allen Belangen.

Sie fühlen sich also gut angekommen und angenommen?

Ja, ich bin sehr gut angekommen. Ich habe meinen Lebensmittelpunkt Ende September nach Eggenfelden verlagert und konnte mich im Oktober wunderbar in dieser herrlichen Gegend einleben. Ich freue mich auf die zukünftigen Wanderungen und Ausflüge mit meinem Hund in der Region. Den Kontakt zu Freunden und der Familie halte ich aktuell im Lock down per Telefon, Skype und die üblichen sozialen Netzwerke. Die Kolleginnen und Kollegen machen mir die Einarbeitung und das Ankommen wirklich leicht – und die ersten Sprachbarrieren habe ich auch schon überwunden.

Ein Berufsleben in der Krankenpflege – was hat Sie dazu bewogen?

Ich habe 1989 die Ausbildung zur Krankenschwester absolviert. Nach dem Krankenpflegeexamen habe ich auf einer Intensivstation meinen Dienst angetreten. Dort absolvierte ich die Fachweiterbildung für die Intensiv- und Anästhesiepflege, sowie den Stationsleitungskurs. Nach Abschluss des berufsbegleitenden Bachelorstudiengangs Pflegemanagement wechselte ich an das Universitätsklinikum in Homburg als Bereichsleitung und später als geschäftsführende Pflegedienstleitung der Anästhesie. Nach dem Abschluss des postgradualen Masterstudiengang Personalentwicklung an der Technischen Universität in Kaiserslautern übernahm ich die Position der Pflegedirektorin der Krankenhäuser der Stiftung Kreuznacher Diakonie im Saarland. Seit 2020 arbeite ich an der Erstellung meiner Dissertationsarbeit in der Versorgungsforschung am Universitätsklinikum des Saarlandes. Ziel ist es die Promotion in diesem Jahr abzuschließen - schauen wir mal. Das alles war und ist immer sehr interessant und erfüllend, weil man weiß: was in der Pflege geschieht, kommt immer direkt bei den Patientinnen und Patienten an, die sich uns anvertrauen.

Derzeit ist die Krankenpflege sicher eine echte Herausforderung: die Corona-Krise ist eine außergewöhnliche Situation. Wie gehen Pflegekräfte damit um, fachlich und emotionell, gerade in Bereichen, in denen jetzt verstärkt auch Menschen sterben?

Die Versorgung von Covid-19 Patientinnen und Patienten ist physisch und psychisch sehr belastend. Pflegekräfte können von Berufs wegen professionell mit Krisensituationen im Rahmen von Leben und Tod umgehen. Die Covid-19-Pandemie setzt auch für meine Berufsgruppe völlig neue Maßstäbe. Die hohe Anzahl sterbender Menschen, die monatelang andauernde Pandemie und die Befürchtung, sich selbst und Familienangehörige zu infizieren, kann sehr belastend sein. Pflegeteams sind es gewöhnt, gegen schwere Krankheitsverläufe zu gewinnen, wir geben keinen Menschen auf. Umso hilfloser müssen wir den sich rasant verschlechternden Krankheitsverläufen zusehen.

Dazu kommt, dass die üblichen Ausgleichsmöglichkeiten, um diesen belastenden Berufsalltag gut zu bewältigen, aktuell nicht verfügbar sind. Supervision, Teambesprechungen, gemeinsame Freizeitaktivitäten oder nur die Dienstübergabe im Team mit den Kollegen können aufgrund der Corona -Regeln nicht stattfinden. Wir verfügen aber auch über eine gute Personaldecke und arbeiten mit einem Notfallstufenkonzept, denn wir wollen es vermeiden, das Personal zu überlasten.

Wie sehr setzen Sie auf die Impfung?

Der Beginn der Cocid-19 Impfungen macht mir große Hoffnung. Wir organisierten die Impfungen in den Kliniken selbst, in den letzten Wochen wurden bereits 200 Beschäftigte geimpft. Wir könnten aber schon weiter sein. Die Warteliste ist sehr lang und täglich melden sich mehr Personen an, als Impfstoff verfügbar ist.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Bitte erwarten Sie jetzt keinen Vortrag über Führungsmodelle von mir. Meine Haltung spiegelt sich in wertschätzendem Handeln. Führen heißt Vorbild sein, sich einbringen können und förderliche Beziehungen gestalten. Bis zu einem gewissen Grad muss ich die Dinge, die ich von meinen Kolleginnen und Kollegen erwarte, selbst können, denn als Führungskraft muss man ganz praktisch zupacken können und pragmatische Lösungsansätze suchen. Ich agiere nicht vom Schreibtisch aus, sondern versuche nah an den Teams zu sein. Letztendlich möchte ich erreichbare Ziele und Visionen formulieren, mit denen sich die Pflegekräfte identifizieren können.

Welche Ziele wollen Sie an den Rottal-Inn Kliniken umsetzen?

Gute Strukturen sollen kontinuierlich weiterentwickelt werden, Stillstand bedeutet Rückschritt. Ein Schwerpunkt ist die Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung gemeinsam mit der Krankenpflegeschule. Die Krankenpflegeschule mit 120 Ausbildungsplätzen ist die Chance, uns für die Zukunft personell gut aufzustellen. Praktikanten von heute sind die Auszubildenden von Morgen und die Auszubildenden von heute sind die Pflegekräfte von morgen. Personalgewinnung und Bindung ist ein wichtiger Punkt, wir müssen auch in Zukunft junge Leute für die Pflege begeistern und ich möchte dazu beitragen, dass diese jungen Leuten spüren: wer sich für die Pflege entscheidet, der hat einen der schönsten Berufe gewählt, die es gibt.



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