16.01.2021

Noch ist die Lage zu bewältigen

„Noch ist die Lage zu bewältigen – das kann sich aber jederzeit schlagartig ändern“, sagt der Ärztliche Direktor der Rottal-Inn-Kliniken, Dr. Klaus Kienle, im Gespräch mit der Heimatzeitung zur aktuellen Corona-Situation im Landkreis.

38 Covid-19-Patienten versorgt das medizinische Personal  derzeit. Um die Infizierten zu isolieren, wurde im Krankenhaus Pfarrkirchen eine komplette Etage abgesperrt. Dort werden 13 Corona-Kranke behandelt. In Eggenfelden wurde eine halbe Etage als Isolierstation deklariert. Dort liegen momentan sieben Patienten. Hinzu kommen neun Corona-Infizierte, die auf Grund ihres schweren Krankheitsverlaufs intensivmedizinisch versorgt werden müssen. „Sieben davon müssen künstlichen beamtet werden“, sagt Dr.  Kienle.

Der Ärztliche Direktor spricht von einer „sehr angespannten Lage“ auf der Intensivstation. „Noch aber  haben wir Kapazitäten für andere Notfälle“, fügt er hinzu. Im Zusammenhang mit der Behandlung von Corona-Patienten seien nicht die Beatmungsgeräte der limitierende Faktor. „Der Flaschenhals ist das Personal“, betont der Mediziner. Denn die künstliche Beatmung der Lunge sei ein hochkomplexer Prozess. Dazu benötige man speziell ausgebildete Mitarbeiter. Hinzu kommt, dass es auch in der Belegschaft immer wieder zu Ausfällen kommt, weil Pfleger und Ärzte entweder in Quarantäne geschickt werden oder selbst mit Corona infiziert sind, so Kienle. Daher ist der Ärztliche Direktor sehr froh und dankbar, dass in solch schweren Zeiten das Personal der Intensivstation von den Anästhesiepflegern unterstützt wird.

Für den Klinikalltag hat Corona natürlich erhebliche Konsequenzen.  „Dennoch führen wir unter strengen Hygieneauflagen unsere Sprechstunden weiter,“ erzählt der Leiter der Abteilung für Allgemein-, Viszeralchirurgie und Minimalinvasive Chirurgie. „Denn die Erfahrungen aus der ersten Pandemie-Welle haben gezeigt, dass die medizinischen Kollateralschäden auf Grund von Corona enorm waren.  Viele Menschen sind gestorben, weil  Herzinfarkte oder Tumorerkrankungen verschleppt worden sind.“ Daher sollte man chronische Bauch- und Brustschmerzen nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Dies zu vermeiden ist unser oberstes Ziel“, betont Kienle. Daher führe man nach wie vor Eingriffe durch. Dabei priorisiere man nach Wichtigkeit. In diesem Zusammenhang ist der Mediziner froh, dass die Menschen, die momentan warten müssen, sehr viel Verständnis zeigen.

Auch bei der Versorgung der Corona-Patienten hat das Klinikum aus der ersten Welle gelernt. „Man behandelt jetzt viel routinierter als zu Beginn der Pandemie“, erzählt der Ärztliche Direktor. So würden jetzt sofort antivirale Medikamente, wie Remdesivir, zum Einsatz kommen. Zudem habe man die Beobachtung gemacht, dass im Frühjahr die  Anzahl der schweren Verläufe höher war und mehr Patienten beatmet werden mussten. „Auch jüngere Menschen sind jetzt weniger betroffen“, so Kienle.

Obwohl es angesichts der Meldungen über Corona-Tote so erscheinen mag, kann er  im Landkreis keine höhere Mortalitätsrate während der zweiten Corona-Welle feststellen. Insbesondere gefährdet sind Ältere sowie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Kienle: „Die häufigsten Todesursachen sind ein septischer Verlauf mit Lungenversagen.“ Um der Pandemie Herr zu werden, setzt er auf die Impfung. „Die Bereitschaft unter den Klinikmitarbeitern dazu ist übrigens groß“, wie er betont. 205 Pfleger und Ärzte sind nach seinen Worten  bereits geimpft worden.

Der Ärztliche Direktor ist froh, dass derzeit  die Lage noch zu bewältigen ist. Denn in Nachbarlandkreisen sieht es nicht ganz so gut aus. Passaus Landrat Raimund Kneidinger hatte bei eine Pressekonferenz am Dienstag gesagt: „Unsere Krankenhäuser und das Personal sind am Limit.“ Immer wieder stoßen Einrichtungen in den benachbarten Regionen auf Grund von Corona  an ihre Kapazität. „In solchen Fällen helfen die Rottal-Inn Kliniken und übernehmen – wenn es die Situation zulässt – Patienten“, sagt Kienle. Koordiniert wird dies von Dr. Andreas Baumann, Ärztlicher Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK). Er koordiniert in der Corona-Krise die Patientenströme in der Stadt Passau und den drei Landkreisen Passau, Freyung-Grafenau sowie  Rottal-Inn.



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