21.03.2020

Wachdienst kontrolliert Verbot

Wachdienst kontrolliert Verbot

Krankenhaus reagiert auf uneinsichtige Besucher – Gesunde Väter dürfen bei Geburt dabei sein

 

Eggenfelden. Wenn man Gerhard Schlegl, Vorstand der Rottal-Inn-Kliniken, derzeit nach der Situation der Krankenhäuser im Landkreis angesichts der aktuellen Lage rund um die Ausbreitung des Corona-Virus fragt, dann ist die Antwort eindeutig: "Es ist eine schwierige Aufgabe, der sich die Kliniken und ihre Mitarbeiter stellen müssen, aber das geschieht mit Professionalität und großem Einsatz."

Doch der Klinik-Manager sagt auch deutlich: "Niemand kann eine seröse Vorhersage treffen, wie sich die Lage noch entwickelt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass wir den Höhepunkt noch nicht erreicht haben, da rollt noch eine große Welle auf uns zu, die uns alles abverlangen wird."

In den Kliniken tagt regelmäßig ein Krisenstab, mit den Behörden und mit der Landkreisspitze steht Schlegl in ständiger Verbindung: "Wir versuchen, der aktuellen Entwicklung immer um eine Woche voraus zu sein, wir planen so, dass wir dann nicht überrascht werden können – aber angesichts der Entwicklung der Zahlen bei Infizierten und Erkrankten ist das nicht leicht", so der Klinik-Vorstand.

"Es müsste eigentlich jeder Bürger verstanden haben, dass wir uns in einer wirklich ernsten Situation befinden", sagt Schlegl und begrüßt ganz klar die Ausgangsbeschränkung, die Ministerpräsident Markus Söder verkündet hat. Auch die Besuche in Krankenhäusern würden jetzt weitgehend untersagt, wie Gesundheitsministerin Melanie Huml ankündigte. Doch bei diesem Punkt wird sich bei den Rottal-Inn-Kliniken nicht viel ändern. Denn bereits vor einer Woche hatte die Klinikleitung die Regelungen massiv eingeschränkt.

"Krankenhausbesuche sind nur noch möglich bei Kindern, bei sterbenden Patienten und, wenn sie gesund sind, von Vätern auf der Geburtenstation. Das sind klare Vorgaben, die eingehalten werden müssen", so der Klinik-Vorstand. Er spricht aber auch davon, dass es doch eigentlich selbstverständlich für jeden sein müsse, das Risiko für Patienten oder für sich selbst nicht zu vergrößern.

Die verschärften Regeln hatten bei einigen Besuchern zu Verärgerung geführt. "Da gab es durchaus Beschwerden und manchmal auch Uneinsichtigkeit", so Schlegl. Dies führte dazu, dass ein Wachdienst beauftragt wurde, der diese Vorschriften auf Basis des Hausrechtes durchsetzen kann. Doch Schlegl appelliert dennoch an den gesunden Menschenverstand: "Wir tun alles im Interesse und zum Schutz der Patienten und Mitarbeiter. Jeder von uns sollte daran denken, dass man nicht wissen kann, ob man nicht morgen selbst auf eine reibungslos laufende stationäre Versorgung angewiesen ist", bringt er es auf den Punkt.

Und der Sicherheitsdienst musste bislang noch eine andere Aufgabe erfüllen: "Wir hatten leider auch Besucher im Haus, die so unverschämt waren, aus Patienten- und Behandlungszimmern Desinfektionsmittel zu stehlen. Diese miese Tour haben wir unterbunden. Wir werden, sollte das noch einmal passieren, solche Fälle auch zur Anzeige bringen", so der Klinikvorstand.

Wie geht die Klinik mit den Besuchern um, die einen ganz besonderen Grund haben, ins Haus zu kommen – die werdenden Väter also, die bei der Geburt und auch danach bei ihren Partnerinnen und dem Neugeborenen sein wollen? Gerhard Schlegl erklärt, dass man hier eine ganz klare Linie ausgearbeitet hat: "Wenn ein werdender Vater gesund ist, wenn er keine Kontaktperson ersten Grades zu einem Infizierten ist, dann spricht nichts dagegen, dass er im Kreißsaal ist und auch, wenn das so vereinbart ist, danach im Familienzimmer bleiben kann". Doch klar ist auch: "Wer sich für das Familienzimmer entscheidet, der darf die Klinik während des Aufenthaltes nicht verlassen. Tut er das dennoch, kann er danach nicht mehr hierbleiben."

Wenn die Mutter aus einer Quarantäne heraus oder auch mit einer Infektion in die Klinik kommt, dann gelten besonders strenge Maßnahmen natürlich bei der Geburt, danach kommen Mutter und Baby in ein Einzelzimmer auf die Isolierstation. In diesen Fällen dürfe übrigens der Vater auch nicht mit in den Kreißsaal. "Aber das dürfte kein Problem sein, denn es geht schließlich um das Wohlergehen von Mutter und Kind."

Das Wohlergehen und die gute Behandlung der Patienten – dabei hat Schlegl aber nicht nur die Betroffenen des Corona-Virus im Blick. "Es gibt ja auch weiterhin Schlaganfälle, Herzinfarkte, Unfälle mit Verletzungen – das alles gehört zu unserem Versorgungsauftrag und natürlich wird dieser Auftrag vollumfänglich erfüllt", sagt er.

Dass es aber in den Ambulanzen und Sprechstunden derzeit zu Verzögerungen und Wartezeiten kommen kann, dafür bitte er um Verständnis. "Wir haben derzeit eine ganz besondere Situation, die eben auch besondere Belastung bedeutet – aber so viel Solidarität sollte eigentlich selbstverständlich sein", hofft Gerhard Schlegl.

Dass diese "ganz besondere Situation" nicht leichter wird, das bringt durchaus Sorgenfalten ins Gesicht des Klinikvorstandes. "Wir müssen uns darauf einrichten, dass wir hier noch sehr, sehr viel zu tun haben werden", stellt er klar. Dass das Team der Kliniken derzeit und in der nächsten Zukunft die anstehenden Aufgaben mit viel Einsatz bewältigt, sieht er als großen Auftrag: "Unsere Kliniken mit allen Mitarbeitern geben tun hier alles, was möglich ist, darauf können sich die Menschen in der Region verlassen. Aber wichtig ist jetzt auch, dass alle Bürgerinnen und Bürger vernünftig sind, dass man die Regeln einhält, die jetzt gelten. Da sollte sich jetzt niemand mehr ausschließen."

 



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