Großes Interesse an einem Thema, das viele Familien betrifft
„Demenz“ ist ein Thema, das viele Menschen gerne von sich wegschieben. Beim Informations- und Aktionstag im Fachkrankenhaus Pfarrkirchen zeigte sich das Gegenteil: Schon im Foyer wurde deutlich, wie groß der Informationsbedarf ist. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher stellten Fragen, führten Beratungsgespräche oder probierten Gedächtnisübungen aus. Es kamen längst nicht nur ältere Menschen: Auch Menschen mittleren Alters und Jüngere informierten sich, sei es für Angehörige oder mit Blick auf die eigene Gesundheit.
Ziel war es nicht, Angst zu machen, sondern konkret zu zeigen, wo es Hilfe gibt und wie Betroffene und Angehörige unterstützt werden können. Fachleute aus Pflege, Psychologie, Ergotherapie, Ernährung und Sozialdienst beantworteten Fragen zum Alltag mit einem demenzkranken Familienmitglied und zu Entlastungsmöglichkeiten. Vertreter des Landratsamtes informierten zum Thema „Hitze und Demenz“. Besonders gefragt waren die Gedächtnistests, die gemeinsam mit digiDEM, dem digitalen Demenzregister aus Erlangen, angeboten wurden.
Im Vortrag „Mit Demenz ins Krankenhaus – was ist wichtig?“ zeigten die Referentinnen, wie Menschen mit Demenz während eines Klinikaufenthalts Sicherheit erfahren: durch vertraute Gegenstände, eine ruhige, wertschätzende Kommunikation und einen aufmerksamen Blick für Anzeichen eines Delirs. Angehörige sind dabei wichtige Partner, denn sie kennen den Menschen und tragen gemeinsam mit dem Klinikteam dazu bei, Vertrauen zu schaffen.
Für eine solche Veranstaltung bietet der Klinikstandort Pfarrkirchen den passenden fachlichen Hintergrund. Das Fachkrankenhaus ist unter anderem auf Akutgeriatrie und geriatrische Rehabilitation spezialisiert, hinzu kommen weitere medizinische Fachbereiche. In der Altersmedizin geht es häufig nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um mehrere gesundheitliche Probleme gleichzeitig.
Der Aktionstag machte zugleich deutlich, dass medizinische und pflegerische Versorgung allein nicht alles leisten kann. Deshalb bauen die Rottal-Inn Kliniken am Standort Pfarrkirchen derzeit eine ehrenamtliche Begleitung für Patientinnen und Patienten mit Demenz auf. Gesucht werden engagierte Bürgerinnen und Bürger, die während eines Klinikaufenthalts Zeit schenken: für Gespräche, Ansprache, Begleitung und ein wenig vertraute menschliche Nähe in einer für die Betroffenen oft fremden Umgebung.
Dieser Gedanke passe gut zu einem Nachmittag, an dem Demenz nicht nur als medizinische Diagnose betrachtet wurde, bestätigte Kliniken-Vorstand Robert Koch: „Es ging am Aktionstag ebenso wie in der täglichen Arbeit vor allem um Menschen, Familien, Unsicherheiten – und darum, was man konkret tun kann.“ Die Resonanz habe gezeigt: „Veranstaltungen dieser Art treffen einen Nerv. Und mancher Besucher dürfte nach einigen Stunden mit deutlich mehr Wissen, aber vielleicht auch mit etwas weniger Scheu vor einem schwierigen Thema nach Hause gegangen sein“, unterstrich Robert Koch.