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Wenn im Ernstfall jeder Handgriff sitzen muss

Welttag der Patientensicherheit: Rottal-Inn Kliniken informieren am 17. September – Intensivteam absolviert anspruchsvolles Training im High-Tech-Simulationszentrum

 

Training am „Patienten“: (von li.) Pflegefachkraft Tim Wiesmeier (Intensivmedizin) und Fachpflegekraft für Anästhesie und Intensivmedizin Dirk Mohrhauer (Anästhesie).

Plötzlich schlägt der Monitor Alarm. Der Blutdruck des Patienten fällt, die Sauerstoffsättigung sinkt, die Lage verändert sich in Sekunden. Jetzt muss schnell entschieden werden: Was ist passiert? Welche Maßnahme hat Vorrang? Und funktioniert das Team auch dann noch reibungslos, wenn jede Sekunde zählt? So oder ähnlich können sich die Szenarien abspielen, mit denen Mitarbeiter der Intensivstation der Rottal-Inn Kliniken am 17. September konfrontiert werden – natürlich nicht mit einem echten Patienten, sondern im hochmodernen Simulationszentrum in Eggenfelden, unter Bedingungen, die der Wirklichkeit erstaunlich nahekommen.  

Anlass ist der Welttag der Patientensicherheit, der jährlich am 17. September begangen wird und weltweit das Bewusstsein für vermeidbare Behandlungsschäden schärfen soll. Der diesjährige Schwerpunkt lautet „Sichere Versorgung bei nicht übertragbaren Krankheiten“ – etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes oder chronische Atemwegserkrankungen, bereichsübergreifende Behandlung erfordern.  

Die Rottal-Inn Kliniken nehmen den Aktionstag seit Jahren zum Anlass, das Thema in den Mittelpunkt zu stellen. Auch in diesem Jahr liegen an den Standorten Eggenfelden und Pfarrkirchen Informationsmaterialien für Patienten, Besucher und Interessierte bereit, die über Patientensicherheit und Risikovermeidung informieren.   
Doch während es für Besucher vor allem Informationen gibt, wird es für einen Teil der Klinikmitarbeiter ausgesprochen praktisch.              

Das Simulationszentrum auf dem Gelände der Gesundheitsakademie in Eggenfelden gehört zu den modernsten seiner Art in Bayern. Herzstück ist ein nahezu lebensechter Patientensimulator in einer Umgebung, die einer Intensivstation täuschend ähnlich sieht: mit messbarem Blutdruck, Atembewegungen, Sprachausgabe und realitätsnaher Reaktion auf Zugänge, Infusionen, Beatmung und weitere medizinische Maßnahmen. Der besondere Reiz – und zugleich die Herausforderung – liegt darin, dass die Teilnehmer nicht wissen, was als Nächstes passiert.   

Von einem getrennten Steuerraum aus verfolgt ein Instruktor das Geschehen und kann den Zustand des simulierten Patienten jederzeit verändern. Alles wird per Bild und Ton beobachtet und anschließend gemeinsam ausgewertet. Das unterscheidet diese Trainingsform von einer theoretischen Fortbildung: Die Teilnehmer müssen tatsächlich handeln, Entscheidungen treffen und gleichzeitig miteinander kommunizieren. Wie realistisch das wird, zeigte sich schon bei früheren Trainings: Nach wenigen Minuten vergessen die Teilnehmer weitgehend, dass kein echter Mensch vor ihnen liegt – der Ehrgeiz, den „Patienten“ zu stabilisieren, wird dann ausgesprochen real. Gerade diese Anspannung ist gewollt: Nicht nur medizinisches Fachwissen entscheidet in kritischen Situationen, sondern auch klare Absprachen und Kommunikation im Team.  

„In der Simulation können wir Situationen erzeugen, die im Klinikalltag nicht jeden Tag auftreten, bei denen im Ernstfall aber innerhalb von Sekunden richtig reagiert werden muss“, erklärt der stellvertretende Pflegedirektor Markus Ellinger. „Dabei trainieren wir nicht nur einzelne Handgriffe. Entscheidend ist das Zusammenspiel des gesamten Teams. Anschließend wird gemeinsam besprochen, was gut funktioniert hat und wo wir noch besser werden können.“  

Diesen offenen Umgang mit Fehlern und Risiken hatten die Kliniken bereits beim Aktionstag im vergangenen Jahr als zentralen Baustein der Patientensicherheit hervorgehoben. Für Klinikvorstand Robert Koch ist der Welttag vor allem eine Gelegenheit, auf eine Aufgabe hinzuweisen, die nicht auf einen Termin im Kalender beschränkt ist. „Patientensicherheit entsteht nicht erst, wenn etwas Ungewöhnliches passiert. Sie entsteht durch gute Abläufe, klare Kommunikation und regelmäßiges Training“, betont Koch. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter auch in einer unerwarteten Situation wissen, was zu tun ist. Genau dafür bietet uns das Simulationszentrum hervorragende Möglichkeiten.“ Denn wenn tatsächlich ein echter Notfall eintritt, müsse jeder Handgriff und jede Kommunikation sitzen, so Koch.