Vorsorge, Bewegung und Schluss mit Rauchen
Viele interessierte Besucherinnen und Besucher nutzten beim Gefäßtag der Rottal-Inn Kliniken die Gelegenheit, sich umfassend über Herz- und Gefäßgesundheit zu informieren. Die drei Fachvorträge stießen auf großes Interesse, die anschließenden Fragerunden waren lebhaft, und auch die Infostände – von Stroke Unit über Therapie bis Ernährungsberatung – waren durchgehend gut besucht. Viele Gäste nutzten zudem die seltene Möglichkeit, die Angiografieanlage zu besichtigen. Oberarzt Sergey Martin zeigte am Stand anschaulich Stents und Bypässe und beantwortete zahlreiche Fragen.
Prof. Dr. Christian Gleißner, Chefarzt der Kardiologie, erklärte zum Auftakt, wie Gefäße erkranken und warum Atherosklerose alles andere als harmlos ist. Bereits erste Ablagerungen behindern den Blutfluss – und je weiter die Gefäße sich verengen, desto größer wird das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Er betonte, dass es zwar unveränderliche Risikofaktoren wie Alter oder genetische Veranlagung gebe, aber genauso entscheidende Faktoren, die jeder selbst beeinflussen kann: Bluthochdruck, Diabetes, hohe Blutfette und vor allem Rauchen. Seine Botschaft: Atherosklerose ist zu einem erheblichen Teil vermeidbar. Wer sich bewegt, nicht raucht und auf eine gesunde Ernährung achtet, kann das Fortschreiten deutlich bremsen.
Die gefäßchirurgische Oberärztin Silvia Glasl sprach über die Carotisstenose, also die Einengung der Halsschlagader. Zwischen zehn und fünfzehn Prozent der Menschen über 65 sind davon betroffen – häufig ohne es zu wissen. Symptome wie vorübergehende Sehausfälle, eine TIA oder ein Schlaganfall treten oft erst spät auf. Glasl betonte, wie wichtig der Ultraschall ist: Je früher eine Stenose erkannt wird, desto besser kann man handeln. Eine Kombination aus gesunder Ernährung, Bewegung, Blutdruckkontrolle und Medikamenten kann oft verhindern, dass operiert werden muss.
Dr.-medic. Monika Sozanski-Cergan, Leitende Oberärztin der Gefäßchirurgie, gab anschließend Einblick in Erkrankungen der Aorta – der größten Schlagader im Körper. Besonders warnte sie vor dem Bauchaortenaneurysma, einer gefährlichen Aussackung der Gefäßwand, die ab einem Durchmesser von fünf Zentimetern operiert werden muss. Risikofaktoren sind Rauchen, Bluthochdruck, hohe Blutfette und ein Alter über 65 Jahren. Viele Betroffene merken lange nichts – erst neu auftretende Rücken- oder Bauchschmerzen können ein Warnsignal sein. Ihr Appell: Das Aortenscreening ab 65 kann Leben retten.
Alle drei Referierenden machten deutlich, wie viel jeder selbst tun kann: Nichtrauchen, mehr Bewegung, gesunde Ernährung und regelmäßige Vorsorge. “Jede Zigarette weniger und jeder Spaziergang mehr ist ein Schritt hin zu gesunden Gefäßen”, hatte es Prof. Dr. Gleißner auf den Punkt gebracht.