Den Körper ganzheitlich sehen
Eggenfelden. Wie eng Körperregionen miteinander verbunden sind, wurde beim Therapeutentag 2025 der Rottal-Inn Kliniken deutlich. Zahlreiche Therapeutinnen, Therapeuten und medizinische Fachkräfte nutzten die Fortbildungsveranstaltung, um über neue Erkenntnisse zur Biomechanik, zum Beckenboden und zu ganzheitlichen Behandlungskonzepten zu diskutieren.
Im Mittelpunkt stand diesmal die Lendenwirbelsäule mit Hüfte und Becken – Bereiche, die im Alltag stark belastet werden und häufig Beschwerden verursachen. Karl Henger, Geschäftsführer und Fachlehrer der BMT-Akademie, zeigte in seinem Vortrag eindrucksvoll, wie sensibel Rücken, Becken und Hüfte miteinander verknüpft sind. Schon kleine Veränderungen oder Blockaden an einer Stelle können Auswirkungen auf andere Bereiche haben. Ein Beispiel: Ist das Iliosakralgelenk (ISG) blockiert, kann das Druck auf Bandscheiben ausüben – und so Schmerzen im Rücken auslösen. „Therapie sollte deshalb nie isoliert betrachtet werden“, so Henger. „Nur wenn wir die Zusammenhänge verstehen, können wir Beschwerden nachhaltig lindern.“
Ein weiterer spannender Aspekt war die Verbindung zwischen inneren Organen und Bewegungsapparat. Alexander Meier, Therapieleiter der Klinik, erläuterte, dass Einschränkungen im Lenden-Becken-Bereich auch von Organen ausgehen können. „Spannungen in Organen können auf Muskeln und Bindegewebe übergreifen“, erklärte Meier. „Dadurch verändert sich die Beweglichkeit der Wirbelsäule – und umgekehrt.“ Ziel sei es, solche Wechselwirkungen in Diagnostik und Therapie stärker zu berücksichtigen.
Auch der Beckenboden spielte eine zentrale Rolle im Programm. Dr. Jürgen Terhaag, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, stellte neue operative Behandlungsmöglichkeiten vor, die auf eine individuelle, patientenorientierte Therapie setzen. Ergänzend zeigte Marina Eulig, Physiotherapeutin der Klinik, wie der Beckenboden gezielt trainiert werden kann, um Stabilität und Körperhaltung zu verbessern. Anhand praktischer Übungen wurde deutlich, dass sich das Training nicht nur auf die Beckenregion, sondern auf das gesamte Körpergefühl positiv auswirkt.
Zum Abschluss richtete sich der Blick nach Osten: Das Konzept der Organuhr aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) erklärt, dass jedes Organ zu bestimmten Tageszeiten besonders aktiv ist – etwa die Lunge am frühen Morgen oder die Leber in der Nacht. Solche Rhythmen können Hinweise auf energetische Ungleichgewichte geben und therapeutische Ansätze ergänzen.
Der Therapeutentag bot nicht nur fundiertes Fachwissen, sondern auch Raum für interdisziplinären Austausch und persönliche Begegnungen. Einhelliger Tenor am Ende: Ganzheitliches Denken ist kein Trend, sondern eine Notwendigkeit – besonders, wenn es um nachhaltige Gesundheit geht.