14.04.2017

Eine besondere Einrichtung wird "volljährig"

Palliativabteilung der Rottal-Inn Kliniken in Pfarrkirchen zur „Spezialisierten Stationären Palliativversorgung“ heraufgestuft

Pfarrkirchen. Die Palliativabteilung am Krankenhaus Pfarrkirchen hat Grund zu feiern: Nicht nur, weil sie diese Tage ihren 18. Geburtstag begeht, sie avanciert jetzt auch zur spezialisierten selbständigen Einrichtung unter der chefärztlichen Leitung von der Palliativmedizinerin Dr. Alexandra Fuchs.

Die Geschichte der Palliativabteilung begann 1999, als am Standort Eggenfelden eine  Palliativ-Einheit mit vier Betten ins Leben gerufen wurde, „damals erst die fünfte Palliativstation Bayerns“, erinnert Klinikvorstand Bernd Hirtreiter. Die Rottal-Inn Kliniken gehörten also zu den Pionieren auf diesem sehr speziellen Fachgebiet. Die Nachfrage war groß, schon im Jahr 2007 wurde die Einrichtung als separate Abteilung auf sechs Betten erweitert. Im Rahmen der Umsetzung des Strukturgutachtens wurde im Juni 2013 die Palliativstation in den Südbau des Krankenhauses Pfarrkirchen verlagert. Dort wurde sie mit neun Zimmern eine eigenständige Station und im Jahr 2015 offiziell in den Bayerischen Bettenbedarfsplan aufgenommen.

Hirtreiter: „Heute nichtmehr wegzudenken“

Die Palliativstation, die man, so Bernd Hirtreiter, „heute aus der stationären Patientenversorgung nicht mehr wegdenken kann“, wird aber heuer nicht nur volljährig, sondern sie ist jetzt auch als Einrichtung der spezialisierten stationären Palliativversorgung (SSPV) eingestuft. Dafür mussten einige besondere Voraussetzungen erfüllt werden. Eine davon war ein 24-stündiger palliativmedizinischer Bereitschaftsdienst, der von den beiden Palliativmedizinern CÄ Dr. Fuchs und  OA Dr. Weber vorgehalten wird. Dr. Weber unterstützt als Oberarzt seit dem 1. Januar 2017 das etablierte Team der Palliativabteilung.  Der neue Oberarzt der Palliativstation freut sich sehr über sein neues Aufgabengebiet; sie sei eine Abteilung mit einem ganz besonderen Team, so Dr. Weber. Des Weiteren wird der therapeutische Bereich von Frau Jutta Duschl als Entspannungstherapeutin bereichert. Frau Duschl erklärt, sie arbeite schon lange als ehrenamtliche Hospizhelferin in der Einrichtung und freue sich über ihr neues Aufgabengebiet im Palliativteam. Ferner wurde eine tägliche Fallbesprechung etabliert, die Symptomerfassung erweitert und ein sogenannter Fallkoordinator benannt.

Im vergangenen Jahr konnte das Palliativteam 465 Patienten begleiten und behandeln, das waren 81 Patienten mehr als im Jahr 2015. „Diese positive Entwicklung ist sicherlich neben dem guten Ruf der Abteilung auch der permanenten Öffentlichkeitsarbeit durch das Palliativteam zu verdanken“, so Hirtreiter.

Diese Aufklärungsarbeit ist wichtig, bestätigt auch Dr. Alexandra Fuchs. Auf vielen Veranstaltungen, bei denen sie zusammen mit dem pflegerischen Leiter der Station, Willi Harreiter, zu Gast ist, wird verdeutlicht, dass es sich bei der Palliativabteilung nicht um eine Dauerpflegeeinrichtung und vor allem nicht um eine „Sterbestation“ handelt: „Es geht in erster Linie um die Lebensqualität von schwer oder unheilbar kranken Menschen“, so Willi Harreiter. „Den Tagen mehr Leben geben“, dieser Grundsatz der Palliativmedizin stehe immer im Vordergrund.

Eine Palliativstation ist eine Akutstation an einem Krankenhaus und kein Hospiz. „Das große Ziel unserer Behandlung ist eine Wiederentlassung in die gewohnte Umgebung“, so Chefärztin Dr. Fuchs. Laut Herrn Harreiter können nach einer optimalen Schmerzbehandlung und weitmöglichsten Symptomlinderung mehr als die Hälfte der Patienten wieder nach Hause entlassen werden. „Den Menschen aber, für die unsere Abteilung zur letzten Station auf ihrer Lebensreise wird, stehen wir zur Seite, um ihnen das Gefühl von Menschsein bis zum Schluss zu ermöglichen“, sagt die stellvertretende Bereichsleitung Frau Cornelia Schmidhuber.

Chefärztin Dr. Fuchs ergänzt, dass die Palliativabteilung einen engen Kontakt zu den anderen Fachabteilungen in den Rottal-Inn Kliniken und vor allem zu den niedergelassenen Haus- und Fachärzten pflege. Die Palliativstation arbeite auch hervorragend mit dem nachstationären Pflegebereich zusammen, um so eine optimale Überleitung der Patienten zu ermöglichen. „Hier spielen unsere Mitarbeiter des Sozialdienstes eine große Rolle, um die Patienten gut versorgt entlassen zu können“, so Dr. Fuchs.

Lebensqualität ermöglichen

Die ganzheitliche und patientenorientierte Haltung ist im ganzen multiprofessionellen Team, das sich aus Palliativmedizinern, Palliative Care Pflegekräften, Seelsorgern, Physiotherapeuten mit Palliative Care, Sozialarbeitern, Kunst-,  Musik- und Entspannungstherapeuten zusammensetzt, tief verankert. Das gesamte Palliativteam ist ständig bemüht für Patient und Angehörige eine Atmosphäre zu schaffen, welche das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Gastfreundschaft schenkt. „Im Vordergrund der Behandlung steht der Mensch mit seinen Bedürfnissen im körperlichen, psychischen, seelischen, spirituellen sowie sozialen Bereich. Wir versuchen, Wohltuendes zu fördern und Belastendes zu minimieren, um so Lebensqualität und Lebensfreude wieder zu ermöglichen“, unterstreicht Dr. Fuchs.

Stationsleiter Harreiter wird immer wieder die Frage gestellt, wer denn überhaupt ein Palliativpatient sei. Er gibt eine klare Antwort: „Jeder Patient, der an einer fortgeschrittenen, unheilbaren Erkrankung mit belastenden Symptomen leidet, kann zu uns kommen“. Dabei muss es sich nicht nur um onkologische Erkrankungen handeln, wir behandeln genauso Menschen mit fortgeschrittener Herzschwäche, Lungen- oder Nierenerkrankungen, so die Chefärztin der Palliativabteilung. Sie ergänzt, dass es zur Aufnahme keine Festlegung auf eine bestimmte Grunderkrankung gebe, so muss jeder Patient mit seiner individuellen Problematik betrachtet und dementsprechend behandelt werden.

Die Palliativabteilung betreut Menschen aus den Landkreisen Rottal-Inn, Passau, Deggendorf, Dingolfing-Landau, Mühldorf und Altötting – sie ist also durchaus von überregionaler Bedeutung. Das sich Patienten in einer so schwierigen Phase ihres Lebens anvertrauen, sei, so Dr. Fuchs, nicht selbstverständlich: „Wir haben das einem sehr guten Team und sicher auch der Tatsache, dass Vorstand, Verwaltungsrat und Kreistag hinter der Station stehen, zu verdanken“.

Ein Wunsch des Palliativteams zur Volljährigkeitsfeier wäre die Einrichtung eines Hospizes im Landkreis. „Damit wäre das Versorgungsnetzwerk für Schwerstkranke und Sterbende hier in der Region komplettiert“, betont Dr. Alexandra Fuchs, Stationsleiter Willi Harreiter und seine Stellvertreterin Cornelia Schmidmaier übereinstimmend.

 

 

Bildbeschreibung:

Willi Harreiter Pflegerischer Leiter

Dr. Alexandra Fuchs Chefärztin der Palliativabteilung

Cornelia Schmidmaier stellv. Stationsleitung

Jutta Duschl Entspannungstherapeutin

Dr. Cornelius Weber Oberarzt



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